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Definition Nutzrad

Ein Nutzrad ist ein Fahrrad, das über die Nutzung als reines Fortbewegungsmittel oder als Sportgerät hinaus auf einen besonderen Einsatzzweck hin optimiert ist. Dies wird in der Regel durch eine besondere Bauform erreicht, die es z.b. ermöglicht, große Lasten, besondere Aufbauten oder Personen zu transportieren.

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Bericht zur Fachtagung Lastenräder im Einsatz

Von Andreas am 25.10.2013

Auf der Fachtagung "Lastenräder im Einsatz – Emissionsfreie Logistik bei Großveranstaltungen und in Großeinrichtungen", die am 24. Oktober in Hamburg stattfand, zogen die Veranstalter des Kirchentages eine erste positive Bilanz zu ihrem "Projekt Lastenrad", das erstmalig beim 34. Kirchentag in Hamburg eingeführt wurde. So sollen auch beim nächsten Kirchentag 2015 in Stuttgart wieder Lastenräder eingesetzt werden. Noch nicht abschließend geklärt ist allerdings, in welcher Form dies geschehen wird.

Erklärtes Ziel der Tagung war es, die bisher gemachten Erfahrungen auch anderen Organisatoren von Großveranstaltungen, sowie Betreibern von Großeinrichtungen und einer interessierten Fachöffentlichkeit vorzustellen und die Möglichkeiten der Übertragbarkeit zu diskutieren. Dafür kamen nicht nur Mitarbeiter des Kirchentages zu Wort, sondern auch Vertreter der Wirtschaft und von Veranstaltern, die bereits erfolgreich Lastenräder einsetzen, sowie verschiedene Interessenverbände, Hersteller und Händler.

Zusammenfassend ergeben sich für mich aus der Tagung als persönliches Fazit vier wichtige Erfolgsfaktoren für einen gelingenden Einsatz von Lastenrädern in einem professionellem Umfeld.

  • 1. Es werden "Überzeugungstäter" auf der Entscheidungsebene benötigt.
  • 2. Die Mitarbeiter müssen in ihrem Arbeitsalltag einen Mehrwert erfahren.
  • 3. Es sind genau zum Einsatzzweck passende  Lastenräder vonnöten.
  • 4. Es braucht eine fahrradfreundliche Vekehrsinfrastruktur.

Im Folgenden möchte ich auf die einzelnen Punkte noch näher eingehen.

1. Es benötigt "Überzeugungstäter" auf der Entscheidungsebene.

 Es gibt sicherlich viele gute Gründe für den professionellen Einsatz von Lastenrädern - und das nicht nur, weil sie hervorragend ein "grünes" Image transportieren, sondern auch, weil ihr Einsatz handfeste ökonomische Vorteile mit sich bringen kann - wenn denn das richtige Konzept dahinter steht. Eine blauäugige Herangehensweise, nach dem Motto "Hey, Lastenräder sind doch gerade in, lasst uns da doch auch mal machen", ist hier wenig erfolgversprechend; denn wie bei jeder Umgestaltung von gewohnten Arbeitsabläufen wartet auch hier die ein oder andere unvorhergesehende Stolperfalle, die es zu meistern gilt.

Eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Etablierung von Lastenrädern ist also sowohl eine ausreichende Geduld auf der Entscheidungsebene, als auch die feste Überzeugung, das Richtige zu tun. Nur so ist sichergestellt, dass bei auftretenden Probleme auch nach einer angemessenen Lösung gesucht und nicht gleich das ganze Projekt grundsätzlich in Frage gestellt wird.

2. Die Mitarbeiter müssen in ihrem Arbeitsalltag einen Mehrwert erfahren.

In der Öffentlichkeit erfahren Lastenräder in der Regel eine positive Resonanz. Im schlimmsten Fall werden sie einfach nur belächelt, Aufsehen erregen sie auf jeden Fall. Das ist aber nur die Aussenbetrachtung. Ganz anders sieht es jedoch aus der Sicht der Mitarbeiter aus, die die Lastenräder für ihre Arbeit nutzen sollen. Für sie bedeutet der Einsatz von Lastenrädern zumindestens erst einmal eine Umwöhnung, welche schon aus sich selbst heraus die Gefahr mit sich bringt, von der Mitarbeiterschaft negativ bewertet zu werden.

Dies ist sicherlich eine der größten der oben erwähnten Stolperfallen. Mitarbeiter, die das Gefühl haben, ihnen werden Privilegien genommen, z.B. ihr angstammter Dienstwagen, oder die glauben, nicht das geeignete Arbeitsgerät zur Verfügung gestellt zu bekommen, um ihre Arbeit optimal erledigen zu können, sind schnell demotiviert und nicht bereit, sich konstruktiv an einem Veränderungsprozess zu beteiligen.

Hier müssen im Vorfeld die guten Gründe für den Einsatz von Lastenräder offen dargelgt und diskutiert werden, um auch die Mitarbeiter von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen. Gleichzeitig müssen aber ggf. auch die Arbeitsabläufe neu strukturiert und den geänderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Und nicht zuletzt sollte die Einführung von Lastenrädern als Prozess begriffen werden, der nicht von Heute auf Morgen erledigt ist und in dem auch die Bedürfnisse und die begründeten Einwände der betroffenden Mitarbeiter ihren Platz haben müssen.

Am Ende steht im Idealfall dann z.B. ein Mitarbeiter, den es vielleicht immer noch nervt, dass er auch bei Regen mit dem Fahrrad unterwegs ist, der es aber auch zu schätzen weiß, dass er mit seinem Lastenrad ohne Umwege und mit allem was er dabei haben muss, direkt zum Ziel fahren kann, ohne vorher noch ewig einen Parkplatz suchen zu müssen, und ohne dann doch noch zu Fuss durch den Regen müssen, um schwer beladen zum Einsatzort zu gelangen.

3. Es sind genau zum Einsatzzweck passende Lastenräder vonnöten.

Auch wenn der Markt für Lastenräder klein ist, so sind doch, wie hier bei nutzrad.de zu sehen, eine Vielzahl an unterschiedlichen Modellen und verschiedenen Bauformen verfügbar. Auf den ersten Blick betrachtet, sollte es also eigentlich kein Problem sein, für jeden gewünschten Einsatzzweck auch das geeignete Lastenrad zu finden. Ganz so einfach ist es jedoch leider nicht.

Das liegt zum Einen daran, dass die Beschaffer mangels bisheriger Erfahrung gar nicht so genau wissen können, welche Ansprüche sie genau an ein Lastenrad stellen sollten. Erst beim intensiven Gebrauch stellt sich dann vielleicht heraus, ob das gewählte Modell wirklich allen Anforderungen gerecht wird. Hier wären im Vorfeld sicherlich kompetente Händler oder unabhängige Vermittler gefragt, die den Markt überblicken und eine fachlich fundierte Beratung anbieten können.

Gleichzeitig muß es den Herstellern aber auch gelingen, nicht nur gute und technisch anspruchsvolle Lastenräder für den fahrradaffinen Privatanwender anzubieten, sondern es auch schaffen, robuste und wartungsarme Fahrzeuge für den professionellen Bereich zu entwickeln, die in der Lage sind, auch den rauen Alltag eines vielleicht nicht immer pfleglich behandelten Arbeitsgerätes unbeschadet zu überstehen. Hier besteht sicherlich noch genauso Nachholbedarf, wie bei den Werkstätten, die in der Lage sein müssen, anstehende Reparaturen und Wartungsarbeiten orts- und zeitnah fachgerecht durchzuführen.

Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die Gestaltung von Ladeflächen und Transportboxen, die sich leider nicht immer an dem genormten Maß der Europalette und den daraus abgeleiteten und gebräuchlichen Maßen von Euroboxen orientiert. In diesem Zusammenhang wäre es evtl. auch hilfreich, wenn es Zubehörsteller am Markt gäbe, die über das Angebot der einzelnen Fahrradhersteller hinaus branchenspezifische Transportlösungen anbieten könnten, die es leichter machen würden, Lastenräder ggf. bedarfsgerecht nachzurüsten.

Und 4. Es braucht eine fahrradfreundliche Vekehrsinfrastruktur.

Die Tagung beschäftigte sich vorrangig mit dem Werksverkehr in Großeinrichtungen und der der Bewältigung der Logistik bei Großveranstaltungen. Beides findet in einem klar definiertem Raum statt. Quasi als Blick über diesen Tellerrand hinaus benannten in einer abschließenden Talkrunde Händlern und Herstellern unisono als entscheidenen Hemmschuh für die weitere Verbreitung von (Lasten-)Fahrrädern die vorhandene Verkehrsinfrastruktur im öffentlichen Raum.

Hier ist ein Umdenken in der Verkehrspolitik gefordert, die neben der Förderung einzelner Leuchtturmprojekt, auch die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen muss, um die Vekehrswege im öffentlichen Raum fahrradfreundlich weiterzuentwickeln. Aber eines ist sicher: Um so mehr Lastenräder schon jetzt auf die Strasse kommen, um so größer ist auch der Druck auf die Politik, dieses Ziel auch wirklich in Angriff zu nehmen.

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